Studie zu KI im E‑Mail-Marketing: Die erhoffte Zeitersparnis bleibt bis­lang aus

Kaum ein Marketingteam kommt heute noch ohne KI aus. Betreffzeilen, Textentwürfe, Bildvarianten ent­ste­hen in Minuten statt Stunden. Nur das eigent­li­che Versprechen dahin­ter — mehr Zeit für Strategie, Segmentierung und Testing — hat sich bis­lang nicht erfüllt.

Das ist zumin­dest das Ergebnis der Studie Marketing Production in the Age of AI des Softwareunternehmens Knak, für die 333 Marketing-Entscheider in den USA, Großbritannien und Kanada befragt wur­den – alle in Unternehmen zwi­schen 50 Millionen und über einer Milliarde Dollar Umsatz. Sieben von zehn die­ser Teams set­zen KI bereits ein. 

E‑Mail-Marketing: 82 % der Zeit flie­ßen in die Produktion, nur 18 % in die Strategie

82 Prozent der Teams ver­brin­gen min­des­tens die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Produktion, also mit Texten, Formatieren, Prüfen und Versenden. Für Strategie und Planung bleibt im Mittel ein Fünftel. 

Es zeigt sich ein­mal mehr: Strategie kommt im E‑Mail-Marketing noch immer zu kurz.

Auffällig ist, wie wenig sich das über die Organisationsform steu­ern lässt. Ob ein Team zen­tral, dezen­tral oder hybrid auf­ge­stellt ist, ändert am Produktionsanteil offen­bar kaum etwas. Der Aufwand steckt im Weg, den eine ein­zelne E‑Mail von der Idee bis zum Versand nimmt, und der ist sel­ten kurz:

  • Bei 60 Prozent der Teams sind min­des­tens vier Personen an einer Mail beteiligt.
  • 69 Prozent durch­lau­fen zwei bis drei Korrekturschleifen, bevor etwas geneh­migt wird.
  • Bei 36 Prozent ver­geht vom Briefing bis zum Versand ein vol­ler Arbeitstag.

An die­ser Kette ändert die KI bis­lang wenig, weil sie bis­lang meist nur am ers­ten Glied ansetzt, beim Text.

Daraus hat Knak eine zuge­spitzte Kennziffer abge­lei­tet: rund 2.400 Dollar interne Arbeitskosten pro E‑Mail, gerech­net als vol­ler Tag mal vier Beteiligte auf Basis von US-Gehältern. Klar: Im deut­schen Mittelstand fällt die Summe nied­ri­ger aus, und über jeden Faktor lässt sich strei­ten. Der größte Posten eines Newsletters ist die Personenzeit, die in der Regel nicht in der Kampagnenbilanz auftaucht.

2.400 Dollar pro Mail: Die Kosten, die nie­mand bucht

85 Prozent der Teams haben in den ver­gan­ge­nen zwölf Monaten min­des­tens einen geplan­ten Kampagnenstart ver­passt, und zwar wegen inter­ner Abläufe, nicht wegen feh­len­der Ideen. 

Die Engpässe wie­der­ho­len sich über Branchen und Größen hin­weg, ange­führt von Freigaben mit 47 Prozent, gefolgt von Design mit 38 und team­über­grei­fen­der Abstimmung mit 36 Prozent. Es sind Abstimmungsprobleme, die im Alltag als tech­ni­sche Verzögerungen erscheinen.

Wenig schmei­chel­haft fällt auch der Blick auf die Erfolgsmessung aus. Nur etwa ein Drittel der Befragten erreicht seine Leistungsziele ver­läss­lich, wäh­rend die Mehrheit vor allem misst, was leicht zu erfas­sen ist: 69 Prozent wer­ten die Klickrate aus, 41 Prozent den Umsatz, den eine Kampagne tat­säch­lich anstößt.

KI im E‑Mail-Marketing: Effizienzgewinn ist noch nicht sichtbar

Naheliegend wäre die Erwartung, dass künst­li­che Intelligenz die­sen Aufwand rasch auf­löst. Der Report zeich­net ein zurück­hal­ten­de­res Bild: 70 Prozent der Teams set­zen KI ein, aber nur 29 Prozent auf fort­ge­schrit­te­nem Niveau, und 88 Prozent müs­sen KI-Inhalte vor dem Einsatz noch mode­rat oder erheb­lich über­ar­bei­ten (siehe dazu auch heise.de: Angestellte nut­zen mit KI gesparte Zeit, um KI-Ergebnisse zu kor­ri­gie­ren)

Ein Grund: KI wird oft noch iso­liert ein­ge­setzt – es fehlt der Zugriff auf Markenrichtlinien, frei­ge­ge­bene Templates oder den Freigabeprozess. 

Die Teams, die im Report vorne lie­gen, gehen den umge­kehr­ten Weg. Es sind sel­ten die größ­ten oder bud­get­stärks­ten Organisationen. Vorne lie­gen die Teams mit nur zwei bis drei Beteiligten pro Mail, mit drei bis fünf Werkzeugen statt einem Dutzend und mit KI dort, wo sie die gesamte Produktion beschleu­nigt und nicht nur den Text.

Amazon hat seine E‑Mail-Produktion auf diese Weise von über drei Stunden auf unter zehn Minuten ver­kürzt, Google Cloud die Änderungswünsche um 90 Prozent gesenkt. Diese Beispiele zei­gen, dass KI die Produktion sehr wohl beschleu­ni­gen kann, aller­dings erst, wenn sie in den Prozess ein­ge­bet­tet ist und nicht davor hängt. 

Was sich dar­aus ablei­ten lässt

Bevor das nächste Tool ange­schafft wird, lohnt ein nüch­ter­ner Blick dar­auf, wohin die Zeit tat­säch­lich fließt: wie viele Beteiligte, wie viele Runden, wie viele Tage eine Mail durch­schnitt­lich beansprucht. 

Die Bestandsaufnahme ist oft unbe­quem, weil sich als eigent­li­che Ursache oft ein Abnahmeweg her­aus­stellt, den seit Jahren nie­mand hin­ter­fragt hat. Deshalb gehört die Abnahme als Erstes auf den Prüfstand. Sie ist laut der Studie der häu­figste Grund für ver­passte Termine und zugleich der am leich­tes­ten zu lösende, weil er nichts kos­tet außer einer kla­ren Festlegung, wer künf­tig mit­zeich­net und wer nicht mehr.

Bleibt die Frage, wo KI anset­zen soll. Am meis­ten bringt sie inner­halb der Produktion, dort, wo tat­säch­lich gebaut und abge­nom­men wird. Ein Modell, das Markenregeln, Templates und Freigabelogik kennt, lie­fert Ergebnisse nahe an der Versandreife. Ohne die­sen Kontext lie­fert es einen Entwurf, den anschlie­ßend erneut meh­rere Personen durch meh­rere Runden schie­ben. An die­sem Unterschied ent­schei­det sich, ob die teure Mail güns­ti­ger wird oder ledig­lich schnel­ler mittelmäßig.

Die Zahlen stam­men aus einer US-Erhebung unter grö­ße­ren Unternehmen, und nicht jede lässt sich eins zu eins auf den deut­schen Mittelstand über­tra­gen. Das Muster dahin­ter gilt hier wie dort. Von allen Kanälen bringt E‑Mail den ver­läss­lichs­ten Ertrag, und trotz­dem steckt der größte Zeitverlust nicht im Versand, son­dern in den Freigaben, Abstimmungen und Korrekturrunden davor. Genau die­sen Teil rech­net bis­lang kaum jemand nach. Wer 2026 mehr aus sei­nem E‑Mail-Marketing holen will, bringt des­halb zuerst die Abläufe vor dem Versand in Ordnung.

Mehr zum Thema erfahrt ihr auch in Folge 54 des CRM Podcast: CRM Reality Check 2026: Zwischen LinkedIn-Bubble und CSV-Export

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