So nutzt Ihr Erkenntnisse aus der Wahrnehmungspsychologie im CRM

Illustration: Wahrnehmungspsychologie im E-Mail-Marketing

E‑Mails gehö­ren zu den effek­tivs­ten Kanälen im Marketing – aber gleich­zei­tig kon­kur­rie­ren sie um unsere knappste Ressource: Aufmerksamkeit. Wie also gelingt es, E‑Mails so auf­zu­bauen, dass sie gese­hen, ver­stan­den und geklickt werden?

Im CRM Podcast spre­chen Pia Jochem, Psychologin und CRM & E‑Mail-Marketing Specialist bei Saphiron, und Nico Zorn über Erkenntnisse aus der Wahrnehmungspsychologie – und was Ihr dar­aus für Eure Kampagnen ablei­ten könnt.

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Hier sind die wich­tigs­ten Learnings aus dem Gespräch:


1. Reduktion ist kein Trend – son­dern eine Notwendigkeit

Wir alle sind per­ma­nent Reizen aus­ge­setzt: Push-Notifications, Social Media, E‑Mails, Werbung. Entsprechend sinkt unsere Aufmerksamkeitsspanne.

Pias Empfehlung: Weniger ist mehr.

Reduziert Eure Botschaften auf das Wesentliche. Eine gute E‑Mail braucht nicht zehn Themen, son­dern eine klare Message, die schnell erfass­bar ist. Alles andere – Design, Humor, Tonalität – sind nur die Kür.

Praxis-Tipp:

Startet jede Kampagne mit der Frage: Was will ich kom­mu­ni­zie­ren – und warum ist das für den Empfänger relevant?

Der Rest darf gerne gestri­chen werden.


2. Konsistenz schafft Vertrauen

Menschen mögen Verlässlichkeit – auch bei Marken. Konsistenz in Tonalität, Design und Botschaft sorgt dafür, dass Euer Publikum Euch schnel­ler erkennt und leich­ter einordnet.

Pia bringt es auf den Punkt: „Wir mögen Menschen (und Marken), die klar sind – weil sie uns hel­fen, Entscheidungen schnel­ler zu treffen.“

Praxis-Tipp:

Legt Euer Branding kon­se­quent über alle Kanäle. Gleiche Farben, glei­che Typografie, glei­che Tonalität. Eine ein­fa­che Übung:

Stellt Eure E‑Mail und Eure Website neben­ein­an­der – pas­sen sie wirk­lich zusammen?

Eure E‑Mail-Kommunikation sollte nicht wie Markus Söder wir­ken – heute dafür, mor­gen dage­gen. Kurz: Versödert nicht Eure Kampagnen. 


3. Klare Struktur – klare Wahrnehmung

Damit eine Botschaft ankommt, braucht sie Struktur. Eine gute E‑Mail folgt einer visu­el­len Gestaltungshierarchie: Headline → Subline → Text → Call-to-Action.

Icons, Bilder und Weißräume hel­fen, Inhalte schnel­ler zu erfas­sen – aber nur, wenn sie Mehrwert bieten.

Besonders span­nend: der Gaze-Cueing-Effekt.

Wir fol­gen unbe­wusst dem Blick ande­rer Menschen. Zeigt also eine Person auf Eurem Bild in Richtung CTA oder Headline – der Blick des Empfängers folgt automatisch.

Praxis-Tipp:

Testet Euer Mailing mit der „10-Sekunden-Regel“:

Zeigt jeman­dem Eure E‑Mail kurz – was bleibt hän­gen? Wenn die Kernbotschaft nicht sofort erkannt wird, ist sie zu kompliziert.


4. Personalisierung wirkt – psy­cho­lo­gisch belegbar

Dass Personalisierung funk­tio­niert, ist bekannt. Aber warum eigentlich?

Zwei psy­cho­lo­gi­sche Effekte erklä­ren es:

  • Mere-Exposure-Effekt: Dinge, die wir häu­fi­ger sehen, wir­ken ver­trau­ter – und damit positiver.
  • Self-Reference-Effekt: Alles, was mit uns selbst in Verbindung steht (z. B. unser Name), zieht auto­ma­tisch mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Praxis-Tipp:

Nutzt den Namen nicht nur in der Anrede, son­dern ruhig auch in Headlines oder CTAs („Pia, ent­de­cke Deine Vorteile“). Auch per­so­na­li­sierte Bilder kön­nen Aufmerksamkeit steigern.


5. Praise statt Pressure – Lob als psy­cho­lo­gi­scher Verstärker

Ein oft über­se­he­ner Effekt: Lob (Praise).

Anstatt Kund:innen unter Druck zu set­zen, könnt Ihr sie posi­tiv bestär­ken – z. B. nach einer Anmeldung oder einem Kauf:

„Super Entscheidung! Ihr tut etwas für Eure Gesundheit.“

„Klasse, dass Ihr Euch für nach­hal­tige Produkte ent­schie­den habt.“

Das erzeugt Stolz statt Stress – und stärkt die emo­tio­nale Bindung.


6. Testen, tes­ten, testen

Eines der wich­tigs­ten Learnings: Testen ist Pflicht.

Was bei ande­ren Marken funk­tio­niert, muss bei Euch nicht wir­ken. Holt Euch Feedback von Kolleg:innen oder lasst KI-Tools wie Heatmap-Analysen oder Wahrnehmungstests drüberlaufen.

Und: Testet nicht nur Betreffzeilen, son­dern ganze Strukturen und Botschaften.


7. Authentizität als Differenzierungsmerkmal in der KI-Ära

Mit KI-Tools las­sen sich Texte, Bilder und Videos in Sekunden erstel­len – das ver­än­dert die Werbewelt.

Pia warnt: „Wenn alles maschi­nell gene­riert wer­den kann, steigt die Skepsis gegen­über Werbung.“

Marken soll­ten daher Echtheit, Transparenz und Authentizität bewusst in den Vordergrund stellen.

Die Herausforderung: KI nut­zen, um ech­ten Mehrwert zu schaf­fen – nicht nur Content zu produzieren.


8. CRM Best Practices: Rewe & Telekom

Zum Abschluss nennt Pia zwei span­nende Best-Practice-Beispiele:

  • Rewe App: Verbindung von Loyalty, Content (Rezepte) und Einkauf. Kundenbindung über Mehrwert statt über Punkte.
  • Telekom App („MeinMagenta“)
    • Kombiniert Accountverwaltung mit Loyalty-Programmen („Moments“) und KI-Features wie dem neuen Magenta AI Assistant.

Beide Marken zei­gen: CRM ist längst mehr als Newsletter – es ist Teil des Service-Erlebnisses.


Fazit: Was nicht wahr­ge­nom­men wird, wird nicht geklickt 

Wer ver­steht, wie Menschen Informationen auf­neh­men, bewer­ten und emo­tio­nal ver­ar­bei­ten, kann mit dem­sel­ben Inhalt eine signi­fi­kant höhere Wirkung erzielen.

Also:

  • Reduziert.
  • Bleibt kon­sis­tent.
  • Lobt Eure Kund:innen.
  • Testet alles.
  • Und bleibt authentisch.

Dann fühlt sich Euer Newsletter nicht nur gut an – er wirkt auch.

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