Sendinblue im Test: Mehr als nur E‑Mail-Marketing

Unser Erfahrungsbericht mit den Vor- und Nachteilen

Das Unternehmen Sendinblue zählt ohne Frage zu den wich­tigs­ten E‑Mail-Marketing-Anbietern im deutsch­spra­chi­gen Raum. In die­sem Test erläu­tern wir den Funktionsumfang der Plattform, der mitt­ler­weile weit über das reine E‑Mail-Marketing hin­aus­geht. Außerdem zei­gen wir die Vor- und Nachteile auf.

Funktionsumfang: E‑Mail, Chat, SMS und mehr

Sendinblue ist (damals noch unter dem Namen Newsletter2Go) als rei­ner E‑Mail-Marketing-Anbieter gestar­tet, hat den Funktionsumfang in den letz­ten Jahren aber kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut und posi­tio­niert sich heute als “All-in-One Toolkit” für das digi­tale Marketing, mit der die nach­fol­gen­den digi­ta­len Kanäle und Tools abge­deckt wer­den (Stand: Juni 2022):

  • E‑Mail-Marketing
  • SMS-Marketing
  • Livechat
  • Marketing Automation
  • CRM
  • Landing Pages
  • Facebook Ads
  • Transaktionsmails

Je nach Bedarf kann Sendinblue also ver­schie­dene andere Tools und Plattformen ablö­sen, was nicht nur mit Blick auf die Kosten rele­vant ist, son­dern auch eine wesent­lich bes­sere Vernetzung der Kanäle unter­ein­an­der ermög­licht – ganz im Sinne eines Cross-Channel Marketing.

In die­sem Sendinblue Test legen wir den Schwerpunkt auf das E‑Mail-Marketing, da die­ser Kanal für die meis­ten Unternehmen nach wie vor die höchste Relevanz im CRM ist und der Anbieter in die­sem Bereich einen sehr hohen Funktionsumfang bie­tet. In nach­fol­gen­den Testberichten wer­den wir geziel­ter auf die wei­te­ren Kanäle und ent­spre­chen­den Funktionen von Sendinblue eingehen. 

E‑Mail-Marketing mit Sendinblue: Features im Überblick

  • Erstellen von per­so­na­li­sier­ten E‑Mails mit einem Drag and Drop-Editor
  • Aufbau von auto­ma­ti­sier­ten Kampagnen (Marketing Automation)
  • Versand von Transaktionsmails (etwa Bestellbestätigungen eines Online-Shops)
  • Erfolgsauswertung der E‑Mail-Kampagnen
  • Verwaltung der Adresslisten und auto­ma­ti­sche Bearbeitung der nicht mehr erreich­ba­ren Adressen (Bounce Management)
  • AB-Tests zur Optimierung von Kampagnen
  • Diverse Integrationen zur Anbindung wei­te­rer Tools, wie etwa HubSpot, Intercom, Typeform und SurveyMonkey

Die Plattform reagiert schnell auf Eingaben und lässt sich nach einer kur­zen Einarbeitungszeit ein­fach bedie­nen. Gut gefällt uns auch die umfang­rei­che Dokumentation – wich­tige Features wer­den sogar in aus­führ­li­chen Videos erläutert.

Eine Schwachstelle vie­ler E‑Mail-Marketing-Anbieter ist der E‑Mail-Editor zur Erstellung der Kampagnen. Oft wer­den hier nur rudi­men­täre Funktionen gebo­ten, häu­fig kommt es zudem zu unschö­nen Darstellungsfehler in wich­ti­gen E‑Mail-Apps. Mit die­sem Problem hat­ten auch die Anwenderinnen und Anwender von Sendinblue lange zu kämp­fen, zwi­schen­zeit­lich hat das Unternehmen aber große Fortschritte gemacht und einen voll­stän­dig neu ent­wi­ckel­ten Editor bereitgestellt. 

Sendinblue Editor
Der neue Sendinblue-Editor befin­det sich noch in einer Testphase, funk­tio­niert aber bereits gut und bie­tet weit­rei­chende Gestaltungsfunktionen. 

Der neue Drag & Drop-Editor von Sendinblue befin­det sich aktu­ell noch in einer Betaphase, hat in unse­rem Test aber bereits einen guten Eindruck gemacht: Es ste­hen weit­rei­chende Layoutoptionen zur Verfügung, mit denen sich in kur­zer Zeit anspre­chende und natür­lich respon­sive E‑Mail-Designs rea­li­sie­ren las­sen. Wir konn­ten zwar noch einige Bugs und Einschränkungen aus­fin­dig machen (so ist die Dateigröße des HTML-Codes aktu­ell noch recht hoch), die sich aber ver­mut­lich auf die Testphase zurück­füh­ren las­sen und in den kom­men­den Monaten beho­ben werden. 

Tipp: Sehr weit­rei­chende Gestaltungsoptionen und zahl­rei­che E‑Mail-Templates bie­tet der E‑Mail-Editor Stripo. Die mit Stripo erstell­ten Mailings las­sen sich mit einem Klick an Sendinblue über­ge­ben und dort versenden.

Den Funktionsumfang von Sendinblue könnt ihr mit einem kos­ten­lo­sen Account tes­ten. Der kos­ten­lose Tarif steht zeit­lich unbe­fris­tet zur Verfügung, eig­net sich aller­dings nicht für den pro­duk­ti­ven Einsatz, da er auf maxi­mal 300 E‑Mails pro Tag limi­tiert ist – das dürfte für die meis­ten Unternehmen nicht ausreichen.

Statistiken zur Erfolgsauswertung

Im Statistikbereich lässt sich detail­liert der Erfolg von Kampagnen nach­voll­zie­hen. Hier ste­hen sowohl eine Gesamtauswertung als auch Auswertung für ein­zelne Kampagnen zur Verfügung, wobei jeweils alle rele­van­ten Kennzahlen aus­ge­wie­sen wer­den, wie etwa:

  • Öffnungsrate (uni­que und gesamt)
  • Klickrate (ein­zelne Klicks und Klicks insgesamt)
  • Durchschnittliche Zeitspanne Öffnungen / Klick
  • Anzahl Beschwerden
  • Bouncerate
  • Conversions

Die Reportings las­sen sich auch als PDF-Datei her­un­ter­la­den. Vermisst haben wir die Möglichkeit, die Kennzahlen wei­ter zu fil­tern, um etwa gezielt die Öffnungs- und Klickrate bei einem bestimm­ten Mailbox-Provider zu ana­ly­sie­ren – das ist hilf­reich, um etwaige Zustellungsprobleme zu iden­ti­fi­zie­ren und ein­zu­gren­zen. Mit dabei ist hin­ge­gen eine Heatmap-Ansicht, mit der sich die Klicks auf bestimmte Elemente in der E‑Mail ein­fach nach­voll­zie­hen lassen. 

Screenshots: Kampagnenauswertung

Marketing Automation mit Workflow-Editor und Templates

Unter dem Menüpunkt “Automation” könnt ihr mit einem ein­fach zu bedie­nen­den Editor eigene Workflows für eure auto­ma­ti­sier­ten Kampagnen erstel­len. Typische Anwendungsfälle sind hier etwa:

  • Neue Abonnentinnen und Abonnenten soll­ten nach der Anmeldung eine Welcome E‑Mail und 3 Tage spä­ter eine Follow Up-Kampagne erhalten.
  • Kundinnen und Kunden sol­len eine Geburtstagsnachricht erhalten.
  • Es soll eine E‑Mail an Kundinnen und Kunden geschickt wer­den, die einen Bestellvorgang im Online-Shop abge­bro­chen haben.

Gut gefällt uns, dass Sendinblue diverse Vorlagen für auto­ma­ti­sierte Kampagnen bereit­stellt – das erleich­tert Einsteigern die Arbeit und ist gleich­zei­tig eine Fundgrube für Automation-Ideen.

Im Workflow-Editor las­sen sich unkom­pli­ziert auto­ma­ti­sierte Kampagnen erstellen.

Datenschutz und Datensicherheit 

DSGVO-konformes E‑Mail-Marketing-Tool aus Europa

Der Hauptsitz von Sendinblue befin­det sich in Frankreich. Im deutsch­spra­chi­gen Raum ope­riert das Unternehmen mit der Sendinblue GmbH, die in Berlin sitzt. Das Unternehmen betont, dass es voll­stän­dig daten­schutz­kon­form ein­ge­setzt wer­den kann. Die wich­tigs­ten Punkte mit Blick auf die DSGVO:

  • Europäisches Unternehmen
  • Serverstandort in Deutschland
  • TÜV-Rheinland Prüfbericht

Den recht­lich zwin­gend not­wen­di­gen AV-Vertrag konn­ten wir in unse­rem Test mit weni­gen Klicks unkom­pli­ziert online unterschreiben. 

Der Unternehmenssitz in Europa und der Serverstandort in Deutschland sind mit Blick auf den Datenschutz wich­tigste Aspekte: US-Tools wie Mailchimp las­sen sich aktu­ell (Stand: Juni 2022) nicht voll­stän­dig daten­schutz­kon­form betrei­ben, da das Datenschutzabkommen Privacy Shield für ungül­tig erklärt wurde (siehe hierzu: “Privacy Shield” gekippt: Können Mailchimp, Hubspot und Co. jetzt noch daten­schutz­kon­form genutzt wer­den?).

Grundsätzlich gilt jedoch, dass nicht nur der Technologieanbieter, son­dern auch der Anwender sicher­stel­len muss, dass die Anforderungen der DSGVO erfüllt wer­den. So muss bei­spiels­weise gewähr­leis­tet wer­den, dass nur berech­tige Personen Zugriff auf das System erhal­ten und E‑Mails nur an die Empfänger:innen geschickt wer­den, die hier­für ein aus­drück­li­ches Einverständnis (Double Opt-In) erteilt haben.

Empfehlung: Ihr soll­tet die Zwei-Faktor-Authentifizierung akti­vie­ren, um euren Account zusätz­lich zu schüt­zen. Hierfür klickt ihr in Sendinblue auf euren Accountnamen (oben rechts) und anschlie­ßend auf “Sicherheit”.

Was kos­tet Sendinblue?

Sendinblue rich­tet sich an kleine und mitt­lere Unternehmen, dem­entspre­chend sind die Preise auch über­schau­bar. So wer­den im Lite-Tarif bei­spiels­weise 19 Euro pro Monat fäl­lig, wenn bis zu 20.000 E‑Mails pro Monat ver­schickt wer­den. Im Premium-Tarif mit einem erwei­ter­ten Funktionsumfang (Marketing Automation, Facebook Ads, Landing Pages…) fal­len für die glei­che Anzahl von E‑Mails 49 Euro pro Monat an. Selbst höhere Versandvolumen sind finan­zi­ell über­schau­bar, 500.000 E‑Mails kos­ten bei­spiels­weise 279 Euro pro Monat.

Die Kosten hal­ten sich also im Rahmen, das Preismodell könnte jedoch über­sicht­li­cher auf­ge­baut sein. So gibt es bei­spiels­weise auch eine Lite+-Option, mit der ihr für 9 Euro pro Monat zum Lite-Tarif noch die Funktionen AB-Tests und erwei­terte Statistiken dazu­bu­chen und die Eigenwerbung (Sendinblue-Logo) am Ende eurer E‑Mails ent­fer­nen könnt. Um den Preis zu berech­nen, soll­tet ihr euch im Vorfeld mit den Optionen ver­traut machen und prü­fen, wel­che Funktionen und Kanäle für euch rele­vant sind. 

Wie wei­ter oben bereits erwähnt, könnt ihr die Funktionen mit einem kos­ten­lo­sen Tarif aus­pro­bie­ren, dabei aber nur bis zu 300 E‑Mails pro Tag versenden.

Mittlerweile bie­tet das Unternehmen übri­gens auch ein Enterprise-Angebot für grö­ßere Unternehmen an, das etwa einen prio­ri­sier­ten Versand und einen per­sön­li­chen Ansprechpartner beinhal­tet. Den Preis hier­für gibt es nur auf Nachfrage.

Sendinblue im Test: Fazit

Sendinblue kann mit einer ein­fa­chen Bedienung und einem hohen Funktionsumfang punk­ten. Gut gefällt uns, dass sich mit der Plattform nicht nur das E‑Mail-Marketing, son­dern auch wei­tere Kanäle wie Livechat, SMS und CRM abge­deckt wer­den können. 

Sendinblue: Vor- & Nachteile

8.2

Funktionsumfang

9.5/10

Adressverwaltung

9.0/10

E‑Mail-Editor

8.5/10

Auswertung & Analysen

7.0/10

Schnittstellen

7.0/10

Vorteile 

  • über­wie­gend intui­tive Bedienung
  • Omnichannel-Plattform für E‑Mails, SMS, Chat und Co.
  • rela­tiv guter E‑Mail-Editor
  • diverse Integrationen
  • DSGVO-konform (Serverstandort Deutschland)

Nachteile 

  • Preismodell etwas unübersichtlich
  • Neuer E‑Mail-Editor noch in Testphase
  • Statistik-Funktion etwas ein­ge­schränkt (keine indi­vi­du­el­len Reports möglich)